- AutorIn
- Martin Mühlig
- Titel
- Die Anosognosie für die homonyme Hemianopsie und die Selbstüberschätzung: eine klinische Verhaltensstudie zum Umgang mit Unsicherheit
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1002711
- Datum der Einreichung
- 01.10.2024
- Datum der Verteidigung
- 09.10.2025
- Abstract (DE)
- Hintergrund: Fehlendes Störungsbewusstsein für eine homonyme Hemianopsie ist ein häufig auftretendes Defizit nach einem Schlaganfall. Ein neues Defizit, zum Beispiel die homonyme Hemianopsie, kann als ein Zustand der Unsicherheit verstanden werden, welcher zur Exploration, zum Erkennen und schließlich zum Einbinden des Defizits in ein aktualisiertes Selbstbild führen müsste. Die Unfähigkeit, in Situationen von Unsicherheit neue Überzeugungen zu entwickeln, trägt nachweislich zur Anosognosie der Hemiplegie bei. Ziele/ Fragestellung: In dieser Studie soll untersucht werden, ob Patienten mit Anosognosie für homonyme Hemianopsie ebenfalls übermäßig zuversichtlich sind und Schwierigkeiten haben, frühere Überzeugungen an neue Umstände anzupassen. Wir verwenden dazu das gleiche Rätselparadigma, welches zuvor für die Anosognosie der Hemiplegie verwendet wurde. Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob es sich bei der Selbstüberschätzung um einen supramodalen Faktor handelt, der zur Entstehung der Anosognosie beiträgt. Methoden: In einer prospektiven Studie wurden Patienten mit homonymer Hemianopsie aufgrund eines erstmaligen Schlaganfalls im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri posterior und eine altersgleiche Kontrollgruppe eingeschlossen. Die zehn Rätsel sind so konzipiert, dass sie eine Situation der Ungewissheit schaffen, die innerhalb von fünf aufeinanderfolgenden Hinweisen aufgelöst wird, da diese das Zielwort zunehmend eingrenzen. Nach jedem Hinweis müssen die Patienten das Zielwort erraten und ihr Vertrauen in die Richtigkeit ihrer Antwort einschätzen. Die Patienten wurden einmalig während ihres Krankenhausaufenthalts (Median 4,0 Tage nach dem Schlaganfall) getestet. Ergebnisse: Entsprechend des modifizierten Bisiach-Scores hatten 12 von 29 Patienten (41%) eine Anosognosie für die homonyme Hemianopsie. Alle Patienten mit Anosognosie hatten linksseitige Gesichtsfelddefekte. Patienten mit Anosognosie unterschieden sich nicht in Bezug auf Läsionsgröße, globale kognitive Fähigkeiten, mentale Flexibilität und ihre Gedächtnisfunktion. Patienten mit Anosognosie zeigten bei den ersten beiden Hinweisen (Situation der Unsicherheit) tatsächlich höhere Vertrauenswerte als Patienten ohne Anosognosie oder Kontrollen. Dies ließ sich durch einen signifikanten Interaktionseffekt in einer gemischten ANOVA mit den Faktoren Gruppe (Anosognosie, Nosognosie, Kontrollen) und Hinweise (Rätsel 1 - 5) demonstrieren. Es fand sich hingegen kein Hinweis darauf, dass die Patienten mit Anosognosie übermäßig stark an bereits falsifizierten früheren Überzeugungen festhalten. Eine Läsionsanalyse weist für Patienten mit Anosognosie eine klare Tendenz für das Vorliegen rechtshemisphärieller Läsionen auf, welche in Subtraktionsanalysen eine mehr anterior-temporale Verteilung zeigten. Schlussfolgerungen: Ein übermäßiges Gefühl der Sicherheit in Situationen der Ungewissheit scheint zur Anosognosie bei Hemianopsie beizutragen. Hierbei könnte es sich um einen supramodalen Faktor handeln, der zur Nichtwahrnehmung von Defiziten führt, ähnlich wie bei der Anosognosie der Hemiplegie.
- Forschungsdatenverweis
- Undoubtedly unaware of homonymous hemianopia: The contribution of overconfidence to anosognosia of hemianopia
DOI: 10.1016/j.cortex.2024.03.016
Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0010945224001448 - Freie Schlagwörter (DE)
- Anosognosie, Hemianopsie, Neurokognition, Schlaganfall, Selbstüberschätzung
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1002711
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 11.11.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
- Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1 1.1. Grundlagen des Störungsbewusstseins 1 1.2. Die Homonyme Hemianopsie 2 1.3. Die Testung der Anosognosie 3 1.4. Einflussfaktoren auf die Anosognosie der Hemianopsie 4 1.5. Theorien zur Entstehung der Anosognosie 6 1.6. Hirnschädigung und Anosognosie 8 2. Herleitung der Fragestellung und Hypothesen 9 3. Wissenschaftliche Publikation 11 4. Zusammenfassung der Arbeit 23 5. Literaturverzeichnis 27 A Anlagen 33 A.1 Supplemental Materials 34 A.2 Darstellung des eigenen Beitrags 45 A.3 Erklärung über die eigenständige Abfassung der Arbeit 46 A.4 Lebenslauf 47 A.5 Publikationen 48 A.6 Danksagung 49