- AutorIn
- wissenschaftliche Mitarbeiter Mo Wang
- Titel
- Science and Politics in Maoist China: Qian Xuesen and His Institute of Mechanics
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1029994
- Datum der Einreichung
- 12.03.2025
- Datum der Verteidigung
- 19.01.2026
- Abstract (DE)
- Seit den Arbeiten von Thomas Kuhn haben einige Wissenschaftshistoriker argumentiert, dass Wissenschaftler, die als neutrale Sammler empirischer Fakten betrachtet werden, weitgehend von sozio-politischen Einflüssen abgeschirmt sind und sich theoretischen Streitigkeiten nur dann widmen, wenn sie durch entscheidende experimentelle Beweise dazu gezwungen werden. Wissenschaftliche Aktivität und die Entstehung von Paradigmen scheinen demnach ausschließlich innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft stattzufinden. Tatsächlich sind Wissenschaftler, wie Bocking argumentiert hat, in ein komplexes Spiel der Autorität eingebunden: Wissenschaftler verleihen Institutionen ihre Autorität als Hüter der objektiven Wahrheit der Natur; im Gegenzug stellen Universitäten, Regierungen und die Industrie materielle Unterstützung für wissenschaftliche Arbeit bereit und unterstützen rhetorisch deren Anspruch auf Wahrheit. Diese Faktoren aus Universitäten, Regierung und Industrie stellen somit eine Form von Intervention von außerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft dar. Welche spezifischen Manifestationen diese externen Interventionen annehmen und in welchem Ausmaß sie gegenwärtige und zukünftige wissenschaftliche Arbeit beeinflussen, sind Fragen, die einer genaueren Untersuchung wert sind. China ist ein Beispiel dafür: 1956 entschied die Kommunistische Partei Chinas (KPCh), in dem technologisch rückständigen Land Raketen und Atomwaffen zu entwickeln, um sich gegen äußere Bedrohungen zu verteidigen. Die Entwickler dieser Waffen, die Wissenschaftler, wurden in dieser Periode von der KPCh zur wertvollsten Elitegruppe erhoben. Da diese Raketentechniker überwiegend aus dem Bereich der Mechanik stammten, etablierte sich dieses Fachgebiet als der am höchsten geschätzte Zweig der Physik. Der Grund dafür liegt darin, dass, obwohl Kernphysiker und Chemiker ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Atomwaffen spielten, nach der Beherrschung der Kerntechnologie Chinas in den 1950er Jahren mit Unterstützung der Sowjetunion der Bau von Raketen mit ausreichender Reichweite und Genauigkeit zur Trägerschaft von Atomsprengköpfen vorrangig wurde – und dies stark von der Mechanik abhing. Bis in die 1980er Jahre waren Mechanik-Wissenschaftler die Elitegruppe, die am engsten mit der KPCh interagierte. Diese Gruppe wurde durch Qian Xuesen (1911–2019) repräsentiert. Als Experte für Aerodynamik und Leiter des chinesischen Programms zur Entwicklung von Trägerraketen und Interkontinentalraketen leitete Qian sein eigenes Institut, das Institut für Mechanik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, dessen Wissenschaftler Gegenstand dieser Studie sind. Am 27. Oktober 1966 testete China erfolgreich seine erste Rakete mit einem Atomsprengkopf. Der Preis dafür war jedoch, dass China nahezu die gesamte Grundlagenforschung sowie zahlreiche Wirtschaftssektoren gleichzeitig aufgab. Folgt die Produktion und der Fluss von Raketenwissen in China einem anderen Pfad als in anderen Ländern? Drei bemerkenswerte Merkmale lassen sich in der Entwicklung der Wissenschaft in China beobachten: Erstens wurden Politik und Wissenschaft eng miteinander verknüpft, wobei politische Richtlinien die wissenschaftliche Arbeit lenkten. Zweitens richteten westlich ausgebildete Wissenschaftler, wie Qian Xuesen, ihre Forschung nach den strategischen Zielen der Partei aus und trugen wesentlich zur nationalen wissenschaftlichen Entwicklung bei. Drittens entwickelte sich insbesondere die Mechanik, vor allem die Explosionsmechanik, durch ihre Rolle in der Raketen- und Luft- und Raumfahrtforschung schnell weiter. Obwohl sich die chinesische Wissenschaft nach 1980 diversifizierte, beeinflussen die Erfahrungen und akademischen Grundlagen der Mao-Ära weiterhin Forschungsinstitutionen und wissenschaftliche Netzwerke.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Wissenschaft und Politik, Wissensfluss, Explosionsmechanik, Genealogie
- Klassifikation (DDC)
- 900
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1029994
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 12.03.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Englisch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-ND 4.0- Inhaltsverzeichnis
INTRODUCTION 1 1.1 Background of the Study 1 1.2 Literature Review and Research Questions 3 1.3 Methodology and Data Collection 11 II. THE COMMUNITY OF EARLY MECHANICS SCIENTISTS IN CHINA 17 2.1 The General Profile of Early Chinese Mechanics Scientists 19 2.1.1 Distribution of Birth Years 24 2.1.2 Regional Origins 26 2.1.3 Academic Qualifications 26 2.2 Overseas Study of Early Chinese Mechanics Scientists 35 2.2.1 Two Waves of Overseas Study and Sources of Financial Support 35 2.2.2 Countries of Study Abroad 40 2.2.3 Foreign Universities Attended 44 2.2.4 Academic Majors Abroad 46 2.2.5 Career Paths Abroad 48 2.3 The Return of Overseas Chinese Scientists and the Early Chinese Mechanics Scientists Community 50 2.3.1 Two Waves of Returning Mechanics Scientists 50 2.3.2 Academic Careers Upon Return 52 2.3.3 The Emergence of Political Involvement Among Mechanics Scientists 53 III. THE POLITICAL INVOLVEMENT OF CHINESE MECHANICS SCIENTISTS: THE CASE OF QIAN XUESEN 61 3.1 Early Political Tendencies of Qian Xuesen 61 3.1.1 The Influence of Patriotism and Nationalism on Qian Xuesen 62 3.1.2 Qian Xuesen's Attitude Towards the Kuomintang 69 3.1.3 Qian Xuesen's Attitude Towards Communism and the Chinese Communist Party 75 3.2 Science Bound by Politics 84 3.2.1 The CCP's Reconfiguration of the Scientific Community 84 3.2.2 Establishment of the Institute of Mechanics, CAS 91 3.2.3 The Fifth Academy: A Product of Political Imperatives 95 3.3 The Political Involvement of Scientists 99 3.3.1 Forms of Political Involvement of Scientists 99 3.3.2 Becoming a Member of the Party 104 3.3.3 An Emerging Privileged Group 106 IV. POLITICS AND SCIENCE IN THE INSTITUTE OF MECHANICS: THE EMERGENCE OF EXPLOSION MECHANICS 112 4.1 A Scientific Dictator 112 4.1.1 Qian Xuesen's Investigation in Northeast China 113 4.1.2 Independent Fiefdom 115 4.1.3 Contending with the Party Committee 123 4.2 Research, Politics, and Strategy 126 4.2.1 The Launch of the Missile programme and Its Dilemmas 126 4.2.2 The CCP's Strategy for Structuring Research Institutions 131 4.2.3 The Institute of Mechanics during Political Campaigns 134 4.3 Explosion Mechanics: A Product of Politics and Science 147 4.3.1 Demand for New Techniques 148 4.3.2 Zheng Zhemin: Outsider in the Missile programme 149 4.3.3 Emergence of Explosion Mechanics 152 V. KNOWLEDGE FLOW IN EXPLOSION MECHANICS 158 5.1 The Formation and Generations of Zheng Zhemin's Academic Genealogy 161 5.1.1 Zheng Zhemin's Academic Activities and Experiences During His Studies in the US 162 5.1.2 The Formation of Zheng Zhemin's Academic Genealogy 164 5.1.3 The Generations of Zheng Zhemin's Academic Genealogy 166 5.2 Analysis of Zheng Zhemin's Academic Genealogy 171 5.2.1 Overview of Zheng Zhemin's Genealogy 172 5.2.2 Analysis of Academic Collaboration Networks 182 5.2.3 Analysis of Research Topics 192 5.3 The Knowledge Flow of Explosion Mechanics Beyond the Institute of Mechanics During the Mao Era 214 5.3.1 The Introduction of Explosion Mechanics at the Beijing Institute of Technology 215 5.3.2 The Academic Genealogy and Development of Ordnance Science and Technology at Beijing Institute of Technology 219 5.3.3 Analysis of Academic Collaboration Networks 226 5.3.4 Analysis of Research Topics 234 CONCLUDING REMARKS 251 Bibliography 260