- AutorIn
- Sarah Isabell Kohl
- Titel
- Der Einfluss unterschiedlicher Haltungssysteme auf die Prävalenz von Klauenerkrankungen bei Sauen
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1036728
- Datum der Einreichung
- 12.08.2025
- Datum der Verteidigung
- 03.02.2026
- Abstract (DE)
- Im Zuge der Gesetzesänderung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung (Tier-SchNutztV) sind viele sauenhaltende Betriebe zum Umbau ihrer Haltungssysteme ver-pflichtet. Es wird vorhergesagt, dass vielen Betriebe dem wirtschaftlichen und politi-schen Druck nicht mehr standhalten können und ihre Nutztierhaltung in Zukunft aufge-ben werden. Es besteht dabei die Gefahr, dass sich die Tierschutzprobleme in ein anderes Land verlagern und damit außerhalb des Kontrollbereichs deutscher Behörden liegen. Es ist essentiell, dass trotz allen gesetzlichen Vorschriften, die wichtig für die Er-füllung der Grundbedürfnisse der Sauen sind, der Tierschutz mit den wirtschaftlichen Interessen sauenhaltender Betriebe vereinbar bleibt. Klauenerkrankungen sind eine der häufigsten Abgangsursachen bei Sauen. Sie verursachen besonders bei einer Betroffenheit der Lederhaut enorme Schmerzen und Leiden bei den Tieren. Die Haltung der Klauen auf industriellem Boden (Spaltenboden und planem Betonboden) stellt sie vor eine Herausforderung, bei der ein gutes betriebliches Management wichtig ist, um die Klauenschäden und Klauenerkrankungen möglichst gering zu halten. Ziel der Untersuchung dieser Arbeit ist es, den Einfluss unterschiedlicher Haltungssys-teme von Sauen auf das Auftreten von Klauenerkrankungen zu analysieren. Durch den Vergleich von Haltungssystemen lassen sich Aussagen treffen, inwiefern sich eine unterschiedliche Fixationszeit im Deckzentrum oder die Verwendung von freien Abferkelbuchten auf die Klauenerkrankungen auswirkt. Es wurden am Schlachthof jeweils zwei Klauen von 229 Sauen aus 11 Betrieben ent-nommen (eine Vorder- und eine Hinterklaue). Diese Proben wurden auf sieben Klauenerkrankungen untersucht und mithilfe von vier Schweregraden (Grad 0 – 3) be-fundet. Dabei wurde das Lesion Identifikation Scoring System „Feet First“ der Firma Zinpro verwendet. Mithilfe eines Fragebogens wurden die Merkmale der Haltungssys-teme der Betriebe erfasst (Bodenverhältnisse und Verweildauer in den Haltungsab-schnitten). Durch statistische Häufigkeitsberechnungen wurden die Ergebnisse ermittelt. Ballenwucherungen und Ballenrisse der Hinterklauen wurden am häufigsten (86 %) vorgefunden. Im Allgemeinen sind die Hinterklauen häufiger (58 %) durch Klauener-krankungen betroffen. Die Prozentangaben beziehen sich immer auf die Gesamtzahl der Klauen des Betriebes. Ein Vergleich der Betriebe B, E, G, I und H ergab, dass Sauen im Haltungssystem mit einer langen Fixationszeit (28 Tage) im Vergleich die meisten senkrechten Wandrisse der Vorder (23 %) - und Hinterklauen (46 %) aufweisen. Eine mittlere Fixationsdauer im Deckzentrum (6-7 Tage) erzeugt im Vergleich häufig überlange Klauen der Vorder (17 %) - und Hinterklauen (30 %), Ballenwucherungen und Ballenrisse der Vorder (87 %) - und Hinterklauen (93 %), Risse am Übergang des Ballens zur Sohle der Hinterklauen (90 %) und senkrechte Wandrisse der Vorderklauen (23 %). In der Gegenüberstellung der Betriebe C und J wurden für die Verwendung von Abferkelbuchten mit Freilauf höhere Werte für waagerechte Wandrisse der Hinterklauen (82 %) dokumentiert. Das Aufkommen von Stallklauen (60 % vorne und 80 % hinten) und Ballenwucherungen und Ballenrissen der Vorder (100 %) - und Hinterklauen (100 %) ist bei einer Haltung des Betriebes A auf abrasionsschwachem Boden (PVC und Fliesen) erhöht. Die Hypothese, dass Klauenerkrankungen an den Hinterklauen häufiger auftreten, konnte bestätigt werden. Die Verwendung von freien Abferkelbuchten im Abferkelstall oder eine verkürze Fixationsdauer im Deckzentraum bewirken nicht weniger Klauenerkrankungen. Durch weitere Informationen zur Klauenpflege oder dem Gewicht der Sauen wird eine Bewertung der Ergebnissee zum Auftreten von Stallklauen und daraus resul-tierenden Ballenwucherungen und Ballenrissen noch weiter verbessert. Die Haltungssysteme der Betriebe G und K können aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse als Beispiel für andere Betriebe dienen. Ein gutes Betriebsmanagement und eine qualifizierte Betreuung durch den Tierhalter sichern ab, dass auch bei einem erhöhten Betreuungsaufwand (freie Abferkelbuchten und die Fixation nur zur Besamung) die Klauengesundheit aufrecht gehalten werden kann. Eine Verbesserung der Haltungsbedingungen ist aber nicht automatisch mit einer Verbesserung der Klauengesundheit gleichzusetzen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Klauenerkrankungen, Abferkelstall, Deckzentrum, Bodenverhältnisse, Kastenstand
- Klassifikation (DDC)
- 636.089
- 630
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-1036728
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 08.04.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-ND 4.0