- AutorIn
- M.Sc. Jessica Grothe
- Titel
- Soziale Aspekte bei Demenz
- Untertitel
- Kumulative Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. rer. nat.
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-824426
- Datum der Einreichung
- 30.06.2022
- Datum der Verteidigung
- 21.11.2022
- Abstract (DE)
- Durch den demografischen Wandel, der mit einer Alterung der Gesellschaft einhergeht, wird es neue Herausforderungen in Bezug auf Alterserkrankungen geben. Demenz ist die am häufigsten vorkommende Erkrankung im Alter, bei der es zu einem zunehmenden Abbau der kognitiven Funktionsfähigkeit kommt. Dieser wiederum führt i. d. R. zu einem Verlust der Selbstständigkeit und zum frühzeitigen Tod. Aktuell gibt es keine Heilungsmöglichkeiten für demenzielle Erkrankungen. Daher ist es umso wichtiger, wirkungsvolle Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln. Grundvoraussetzung dafür ist ein umfassendes Verständnis über die Risikofaktoren der Erkrankung, aber auch über die Symptomatik in den verschiedenen Bereichen. Aktuell ist nur wenig darüber bekannt, welche Rolle soziale Aspekte bei der Entstehung von Demenz spielen und wie sich soziale Aspekte über das gesamte Krankheitsspektrum hinweg verändern. Ein Grund dafür ist, dass es kaum geeignete Instrumente zur Erfassung sozialer Aspekte, wie z. B. Sozialfunktionen, speziell für Personen mit Demenz gibt. Daher wurde in einer ersten Arbeit eine umfassende Literaturrecherche nach der Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISAM)-Leitlinie durchgeführt, um geeignete Instrumente zur Erfassung der Sozialfunktionen bei Demenz zusammenzutragen. Von 5.307 gefundenen Artikeln wurden 8 für die Übersichtsarbeit ausgewählt, die insgesamt drei Instrumente zur Messung der sozialen Funktionsfähigkeit bei Menschen mit Demenz beschreiben: die Nurses' Observation Scale for Geriatric Patients (NOSGER; Skala „Sozialverhalten“), die Socioemotional Dysfunction Scale (SDS) und die Social Functioning in Dementia Scale (SF-DEM). Die Validität aller drei Instrumente war insgesamt akzeptabel. Die Reliabilität der NOSGER-Skala „Sozialverhalten“ und der SF-DEM war hoch. Informationen über die Benutzerfreundlichkeit der Instrumente waren kaum vorhanden. Insgesamt hat sich die im angloamerikanischen Raum entwickelte Social Functioning in Dementia Scale (deutsch: „Sozialfunktionen bei Demenz“-Fragebogen; kurz: SF-DEM) als besonders geeignet für die Erfassung von Sozialfunktionen bei Demenz herausgestellt. Auf diesem Ergebnis fußt die zweite Arbeit. Ihr Ziel bestand darin, den SF-DEM für den deutschen Sprachraum zu adaptieren und ihn psychometrisch zu überprüfen. Dazu wurde zunächst ein mehrstufiger, teambasierter Übersetzungsprozess auf Grundlage des Translation, Review, Adjudication, Pretesting and Documentation (TRAPD)-Modells durchgeführt. Zweitens wurden Dyaden befragt, bestehend aus Personen mit leichter Demenz und jeweils einem Angehörigen, um die interne Konsistenz, Test-Retest-Reliabilität, Interrater-Reliabilität, Konstruktvalidität und Akzeptanz der deutschen Version des SF-DEM zu testen. Die interne Konsistenz der Selbst- und Fremdberichtversion liegt auf einem akzeptablen Niveau. Die Interrater-Reliabilität war für beide Versionen ausgezeichnet und die Test-Retest-Reliabilität moderat. Die Ergebnisse der Fremdberichtversion korrelierten stark mit der Größe des sozialen Netzwerkes, gemessen mit der Lubben Social Network Scale (Lubben et al., 2006; LSNS-6) und der Lebensqualität in Bezug auf Ehe und Freundschaften, erhoben mit dem „Lebensqualität bei Demenz“ - Fragebogen (Stypa et al., 2020; QoL-AD). Darüber hinaus wurde der SF-DEM von den Teilnehmern akzeptiert. Damit lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die deutsche Version des SF-DEM ein valides, reliables und akzeptables Instrument zur Erfassung der Sozialfunktionen bei Menschen mit Demenz ist. Weitere Untersuchungen sollten die psychometrischen Eigenschaften bei Personen mit mittleren und schweren Demenzen über das gesamte Krankheitsspektrum hinweg untersuchen. Die dritte Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Demenz. Es wurden Competing Risk-Analysen anhand der Daten aus der AgeCoDe-Studie berechnet und kein Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und dem Auftreten von Demenz bei Hochaltrigen gefunden. Damit weicht unser Ergebnis von denen anderer Untersuchungen ab. Die Unterschiede in den Ergebnissen lassen sich jedoch durch methodische Unterschiede erklären. Darunter zählen z. B. die verwendete Analysestrategie, die Form des Outcomes, die Länge des Nachbeobachtungszeitraumes und die Eigenschaften der untersuchten Stichprobe. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass momentan nur wenig über soziale Aspekte in Bezug auf demenzielle Erkrankungen bekannt ist. Zukünftige Studien könnten vielversprechende Ergebnisse liefern, die wichtig sind für eine bessere Diagnostik und Früherkennung von Demenz, aber auch für die Entwicklung von Interventions- und Präventionskonzepten. Beide Punkte sind von großer Bedeutung, da es momentan noch keine Möglichkeit zur Heilung demenzieller Erkrankungen gibt. Die Arbeiten, aus denen sich diese Dissertation zusammensetzt, legen einen wichtigen Grundstein für zukünftige Untersuchungen auf diesem Gebiet.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Demenz, Neurokognitive Erkrankung, Soziale Isolation, Sozialfunktionen, SF-DEM
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-824426
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 29.11.2022
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis ii Abbildungsverzeichnis ii Abkürzungsverzeichnis ii 1. Einleitung 1 1.1. Demenz: Definition und Charakteristika 2 1.1.1. Soziale Veränderungen 3 1.2. Epidemiologie 5 1.2.1. Krankheitskosten 7 1.2.2. Risikofaktoren 9 1.2.3. Konsequenzen im Kontext sozialer Aspekte 12 1.3. Diagnose und Screening 13 1.3.1. Beurteilung der sozialen Kognitionen und BPSD 13 1.4. Ziele der Dissertation 15 2. Empirische Studien 17 2.1. Instruments to assess social functioning in individuals with dementia: a systematic review 17 2.2. Psychometric evaluation of the German version of the Social Functioning in Dementia Scale (SF-DEM) 37 2.3. Social isolation and incident dementia in the oldest-old – A competing risk analysis 49 3. Allgemeine Diskussion 61 3.1. Implikationen für zukünftige Studien 64 3.2 Schlussfolgerung 65 Zusammenfassung 67 Literaturverzeichnis 71 Appendix A: Erklärung zum Promotionsbeitrag 77 Appendix B: Eigenständigkeitserklärung 91 Appendix C: Lebenslauf 92 Appendix D: Wissenschaftliche Beiträge 93 Appendix E: Danksagung 95