- AutorIn
- Sarra Altner
- Titel
- Untersuchung zum Einfluss von schwerer Karies und Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation im Hinblick auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-826874
- Datum der Einreichung
- 31.05.2022
- Datum der Verteidigung
- 07.11.2022
- Abstract (DE)
- Kinder, die von Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) betroffen sind, leiden häufig an stark hypersensiblen Zähnen. Dies erschwert die Nahrungsaufnahme durch Schmerzen beim Essen und Trinken und verschlechtert die häusliche Mundhygiene, was ein erhöhtes Kariesrisiko zur Folge hat. Darüber hinaus beeinträchtigen gelblichbräunliche Opazitäten an den Fazialflächen der Inzisiven das Erscheinungsbild der Kinder. Mädchen und Jungen mit kariösen Zähnen zeigen ab einem bestimmten Schweregrad ganz ähnliche Symptome wie Kinder mit MIH. Auch hier vermindern schmerzende Molaren und optisch veränderte kariöse Frontzähne die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Das Ziel der Studie war es, den Effekt von therapeutischen Maßnahmen bei Kindern mit schwerer Karies und schwerer MIH auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität (MLQ) durch einen Vorher-Nachher-Vergleich zu analysieren. Ferner sollte untersucht werden, bei welchem der beiden Krankheitsbilder eine stärkere Verbesserung der Lebensqualität erzielt werden kann. Zu diesem Zweck wurden 210 Kinder der Kinderzahnarztpraxis ‚Leo Löwenzahn‘ aus Bergisch Gladbach untersucht und in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe bestand aus Probanden mit mindestens zwei schweren kariösen Läsionen, die Kinder der zweiten Gruppe hatten mindestens zwei stark hypomineralisierte Zähne. Um die Einschlusskriterien zu erfüllen, durften die Kinder nur eine der beiden Erkrankungen aufweisen. In dieser Studie wurde das von Michaelis et al. (2021) entwickelte Risikoschema verwendet, was sowohl Probanden mit MIH als auch mit Karies in drei Schweregradkategorien differenziert. Im Rahmen einer klinischen Untersuchung wurde zunächst die Schwere der einzelnen erkrankten Zähne bewertet. Bei den MIH-Probanden geschah dies mit Hilfe der MIH-Klassifikation von Mathu-Muju & Wright (2006). Das Ausmaß der kariösen Zerstörung wurde unter Zuhilfenahme eines Diagno-Pens nach der ADAKariesklassifikation (American Dental Association) bewertet. Unter Berücksichtigung des klinischen Schweregrades der Erkrankung der Zähne wurden bei beiden Krankheitsbildern Risikopunkte verteilt, die zu einem Summenwert addiert einen entsprechenden Risiko-Score ergaben. Die Summe der Risikowerte der Probanden ordnet die Patienten in die entsprechende 'Schweregradkategorie' ein, so dass der Schweregrad beider Erkrankungen vergleichbar ist. Für diese Studie wurden nur Kinder im Alter von 7 und 11 Jahren aus der High-Severity-Category eingeschlossen. Um die subjektive Beeinträchtigung der MLQ der Probanden zu erheben wurde die deutsche Version des Child-Perceptions-Questionnaire-8-10 (CPQ-G8–10) verwendet. Die Datenanalyse wurde mit der Software SPSS 22 (IBM Corp., USA) durchgeführt und umfasste die deskriptive Analyse und Wilcoxon-Rangsummen-Test. P-Werte wurden als signifikant angesehen, wenn sie kleiner als 0,05 waren. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei 9 (±2) Jahren und war in beiden Gruppen gleich, da sie nach Alter gematched wurden. Nach Winkler und Stolzenberg (2009) gehörte mehr als die Hälfte (54%) der Studienpopulation zur Mittelschicht. Die meisten Patienten (84%) wurden im Wachzustand behandelt, die übrigen unter Sedierung oder Narkose. In der MIH-Gruppe waren die Seitenzähne häufiger betroffen als die Frontzähne, wobei die Hälfte der bleibenden Seitenzähne (57%) und fast alle (97%) Frontzähne eine invasive Therapie benötigten. Der Gesamt-CPQ in der MIH-Gruppe war mit einem Ausgangswert von 17,8 am höchsten, während der Wert bei den Probanden der Kariesgruppe 13,8 betrug. Dies zeigt, dass bei vergleichbarem Schweregrad, Patienten mit stark ausgeprägter MIH stärker in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt wurden als Kinder mit entsprechenden kariösen Läsionen. Innerhalb der Subdomänen zeigte sich die stärkste Beeinträchtigung bei beiden Erkrankungen im Bereich 'orale Symptome'. Ein signifikanter Unterschied (p>0,01) vor der Behandlung bestand in der Domäne 'funktionelle Einschränkungen', da die MIH-Gruppe einen deutlich höheren Wert (4,9 ± 3,3) als die Kariesgruppe (2,9 ± 3,6) aufwies. Das bestätigt, dass Kinder mit MIH-Zähnen funktionell mehr eingeschränkt waren. Nach der Therapie erreichten beide Gruppen einen ähnlichen CPQ-Gesamtwert (7,5 ±4,7 bzw. 7,3 ± 6,7). Dies zeigt, dass bei einer adäquaten zahnärztlichen Sanierung bei beiden Erkrankungen, trotz unterschiedlicher Bereiche der Einschränkung, eine ähnliche Verbesserung in der MLQ erreicht werden konnte. Die Ergebnisse dieser Dissertation bestätigen die Hypothese, dass eine befundorientierte und adäquate Therapie die Lebensqualität der betroffenen Kinder bei beiden Krankheitsbildern anzuheben vermag. Der Ausgangswert beim CPQ-G8–10 war zwar bei Probanden mit schwerer MIH signifikant höher als bei Patienten mit schwerer Karies, dennoch konnte die MLQ nach geeigneter Therapie in beiden Gruppen auf das gleiche Niveau angehoben werden. Vor dem Hintergrund der massiven Auswirkungen beider Krankheitsbilder auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen hat das klinische Management eine zentrale Bedeutung.
- Andere Ausgabe
- Dissertation, Erstveröffentlichung
Untersuchung zum Einfluss von schwerer Karies und Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation im Hinblick auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern - Freie Schlagwörter (DE)
- Karies, Kinderzahnheilkunde, Kreidezähne, Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, Lebensqualität, Kinderzahnarzt
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-826874
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 19.12.2022
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC 4.0- Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1. Einführung ............................................................................................... 1 1.1 Allgemeine Angaben zum Krankheitsbild von Karies und Molaren-Inzisiven- Hypomineralisation (MIH) ..................................................................... 1 1.1.2 Ätiologie, klinisches Erscheinungsbild und Klassifizierung von Karies........ 2 1.1.3 Ätiologie, klinisches Erscheinungsbild und Klassifizierung der MIH ........... 4 1.2 Einfluss von Karies und MIH auf die MLQ von Kindern ............................... 6 1.2.1 Messinstrumente für MLQ ..................................................................... 6 1.2.2 Einfluss der Karies auf die MLQ von Kindern .......................................... 8 1.2.3 Einfluss der MIH auf die MLQ von Kindern ........................................... 10 1.3 Therapiemethoden von Karies und MIH .................................................. 11 1.3.1 Therapie von Karies ........................................................................... 11 1.3.2 Therapie von MIH .............................................................................. 12 1.4 Ziel der Studie ...................................................................................... 14 2. Publikationsmanuskript ........................................................................... 16 3. Zusammenfassung .................................................................................. 28 4. Literaturverzeichnis ................................................................................. 31 5. Anlagen ................................................................................................. 40