- AutorIn
- Jens Sabbarth
- Titel
- Zahndurchbruch und Zahnentwicklung von Eckzähnen und Prämolaren: eine retrospektive Untersuchung von 731 Panoramaschichtaufnahmen von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6-16 Jahren
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-878941
- Datum der Einreichung
- 22.11.2022
- Datum der Verteidigung
- 25.09.2023
- Abstract (DE)
- Das dentale Entwicklungs- und Eruptionsgeschehen ist eine komplexe Verbindung verschiedener Abläufe, die einer Vielzahl modifizierender Einflüsse unterliegt, wodurch klinisch mannigfaltige inter-individuelle Variationen auftreten können. Angesichts der großen klinischen Relevanz des Wissens über die möglichen Eruptionsfolgen und ihre möglichen therapeutische Konsequenzen, wie etwa beim Beginn einer kieferorthopädischen Behandlung bei absehbarem Platzmangel, bestand das Ziel der vorliegenden Arbeit zunächst darin, die gegenwärtig auftretenden Eruptionsfolgen und zahnspezifischen Durchbruchszeitpunkte bei den Zähnen in der kieferorthopädischen Stützzone beider Kiefer zu identifizieren und bereits publizierten Arbeiten im Rahmen eines Vergleiches gegenüberzustellen. In diesem Zusammenhang wurden aus der Literatur bekannte Methodiken zur Bestimmung des Durchbruchsstandes um einen digital-assistierten Aspekt der Hilfsliniennotation erweitert. Zu diesem Zweck wurden 731 digitalisierte Orthopantomogramme von 371 Mädchen und 360 Jungen digital bearbeitet. Die Hilfslinien wurden für eine vereinfachte Bestimmung der Eruptions- und Mineralisationsstadien eingezeichnet und die ermittelten Ergebnisse wurden dann statistisch ausgewertet. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die auf diese Weise ermittelten Durchbruchssequenzen und -zeiten für die Canini und Prämolaren des Ober- und Unterkiefers (OK, UK) ein mit den Ergebnissen anderer Arbeiten relativ homogenes Bild lieferten. Die am häufigsten vorkommenden Sequenzen 4-5-3 und 4-3-5 im OK bzw. 3-4-5 und 4-3-5 im UK konnten für beide Geschlechter bestätigt werden. Darüber hinaus wurden sequenzabhängige Unterschiede hinsichtlich des mittleren Eruptionsalters bei beiden Geschlechtern und Kiefern festgestellt. Auch der im Vergleich mit der einschlägigen Literatur beschriebene und in beiden Kiefern erfolgende frühere Durchbruch der Zähne beim weiblichen Geschlecht konnte mit einer durchschnittlich früheren Eruption von 5,16 Monaten im Oberkiefer und 7,83 Monaten im Unterkiefer bestätigt werden. Eine Akzeleration der Zahndurchbruchszeiten konnte wegen nicht-äquivalenter Studiendaten und der Beschränkung auf die Beurteilung der Zähne im Stützzonenbereich im Vergleich mit früheren Arbeiten nicht beurteilt werden. Ein Seitenvergleich beider Kieferhälften führte sowohl beim Durchbruchsstand als auch beim Fortschritt der Mineralisation zahngruppenspezifisch zu keinerlei Unterschieden, wodurch eine seitensymmetrische und homogene Entwicklung sowohl im OK als auch im UK bestätigt werden konnte. Abschließend wurden im Rahmen eines explorativen Ansatzes die Mineralisationsstände der Zähne zu ihrem jeweiligen Durchbruchszeitpunkt auf mögliche geschlechts- und sequenz-spezifische Zusammenhänge hin untersucht. Dabei zeigten sich die Mädchen gegenüber den Jungen beim Zahndurchbruch im UK generell als weiterentwickelt, wenngleich statistisch signifikant nur im Bereich beider Prämolaren (jeweils p < ,001). Im OK war dagegen eine statistisch signifikant fortgeschrittenere Entwicklung der weiblichen Canini (p = ,033) und der männlichen ersten Prämolaren (p = ,023) auffällig. Die Eckzähne des Oberkiefers zeigten sich im Vergleich der Zahngruppen beim Durchbruch als die am weitesten ausmineralisierten Zähne (mindestens zu zwei Dritteln ausgebildete Wurzel beim Durchbruch), im Unterkiefer waren dies neben den Canini (Sequenz 4-5-3) auch die zweiten Prämolaren (Sequenz 3-4-5). Im Gesamtvergleich beider Kiefer waren die OK-Eckzähne am weitesten entwickelt, während im UK beide Prämolaren gegenüber ihren Antagonisten bei den am häufigsten vorkommenden Sequenzen 3-4-5 und 4-3-5 weiterentwickelt waren. Insgesamt zeigten die Zahngruppen innerhalb der ver-schiedenen Sequenzen bei beiden Kiefern zum jeweiligen Eruptionszeitpunkt unterschiedliche Mineralisationsstände. Dadurch konnte in der vorliegenden Arbeit der vom Durchbruchszeitpunkt unabhängige Charakter des Mineralisationsfortschritts bestätigt werden. Darüber hinaus konnte auch diese Untersuchung zeigen, dass es neben den genannten Aspekten durchaus auch Variationen bei der Durchbruchsreihenfolge geben kann, die bei einer möglichen Behandlung berücksichtigt werden sollten. Insbesondere ein verspäteter Durchbruch der Stützzonenzähne könnte etwa eine prolongierte Phase des kieferorthopädischen Lückenmanagements erfordern. In ähnlicher Weise könnten einem verzögerten Durchbruchsgeschehen andere Ursachen als eine reine Variabilität und zeitliche Abweichung zugrunde liegen, wodurch eine Anpassung des klinischen Behandlungsplanes erforderlich sein könnte. So erfordert etwa die Feststellung einer Nichtanlage eines bleibenden Nachfolgers eine neue Beurteilung der Situation hinsichtlich der kieferorthopädischen Behandlungsplanung. Dabei wären die Umsetzungsmöglichkeiten eines Lückenschlusses durch ein aktives Mesialisieren der Molaren gegenüber der Abwägung einer therapeutischen Milchzahnextraktion, um die körpereigenen Zahnwanderungstendenzen so gut wie möglich ausnutzen zu können und dadurch den kieferorthopädischen Gesamtaufwand für den Patienten zu minimieren, möglichst frühzeitig zu beurteilen. Möglicherweise auftretende Abweichungen bedürfen daher einer weiteren klinischen Diagnostik und Ursachenforschung. Als Impuls für zukünftige Arbeiten könnten eine Erweiterung der in der vorliegenden Arbeit erhobenen Parameter und Zahngruppen, eine Vergrößerung des Studienkollektivs und eine generalisierte Vereinheitlichung der nationalen und internationalen Auswertungsstandards erwogen werden, um zu einer besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse und dadurch zu repräsentativeren Rückschlüssen auf eine allgemeine Bevölkerung gelangen zu können. Darüber hinaus wäre eine zusätzliche Beurteilung des Resorptionsstandes der jeweiligen Milchzahnvorläufer zu erwägen, um daraus weitere klinisch relevante Erkenntnisse ableiten zu können, wie beispielsweise die Grenze der Erhaltbarkeit eines teilresorbierten Milchzahnes bei der Nichtanlage seines unmittelbaren Nachfolgers.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Durchbruchsreihenfolgen, Eruptionsstand, Mineralisationsstand, Stützzone
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-878941
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 06.11.2023
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-SA 4.0- Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis IV 1. Einleitung 1.1 Erläuterung der Thematik 1.2 Untersuchung des wissenschaftlichen Umfeldes 1.3 Entwicklung der Methodik zur Bestimmung der dentalen Reife 2. Zielsetzung 3. Material und Methoden 3.1 Studienpopulation 3.2 Datenerhebung 3.3 Einteilung der Eruptionsstadien 3.4 Einteilung der Mineralisationsstadien 3.5 Bewertung der Durchbruchs- und Mineralisationsstadien 3.6 Statistik 3.6.1 Erstellung der Geschlechts-Filter-Funktion 3.6.2 Ermittlung der Verteilung der auftretenden Durchbruchsreihenfolgen 3.6.3 Ermittlung der Verteilung des sequenzabhängigen Durchbruchsalters 3.6.4 Ermittlung der sequenzabhängigen Mineralisationsstadien zum Zeitpunkt des Zahndurchbruchs 3.6.5 Vergleich der Symmetrie von Durchbruchs- und Mineralisationsentwicklung 3.6.6 Explorative Untersuchung der Mineralisationsstadien zum Zeitpunkt des Zahndurchbruchs 4 Ergebnisse 4.1 Graphische Darstellung der Altersverteilung 4.2 Graphische Darstellung der Häufigkeitsverteilung der Durchbruchssequenzen 4.3 Darstellung des mittleren Durchbruchsalters in Abhängigkeit von der Eruptions-sequenz 4.4 Darstellung der MIN-Stadienverteilung in Abhängigkeit von der Eruptionssequenz 4.5 Auswertung des Seitenvergleichs bei der Entwicklung der Eruptions- und Mineralisationswerte 4.6 Auswertung der explorativen Mineralisationsstadien-Untersuchung 4.6.1 Gegenüberstellung der MIN-Stadien im OK getrennt nach Sequenzen und Geschlecht 4.6.2 Gegenüberstellung der MIN-Stadien im UK getrennt nach Geschlecht und Sequenzen 4.6.3 Gesamtgegenüberstellung der MIN-Stadien beider Kiefer 5. Diskussion 5.1. Diskussion der Materialien und Methoden 5.2. Diskussion der Ergebnisse 5.2.1. Häufigkeitsverteilung einzelner Durchbruchssequenzen 5.2.2. Mittleres Durchbruchsalter in Abhängigkeit von der Eruptionssequenz 5.2.3. Die Verteilung der Mineralisationsstadien in Abhängigkeit von der Eruptionssequenz 5.2.4. Seitenvergleich von Eruptions- und Mineralisationsstadien 5.2.5. Explorative Untersuchung der Mineralisationsstadien 5.2.6. Beantwortung der Fragestellungen 6. Zusammenfassung 7. Literaturverzeichnis 8. Anhang 8.1 Tabellen und Grafiken 8.1.1 Sequenzabhängige Durchbruchswerte im Oberkiefer 8.1.2 Sequenzabhängige Durchbruchswerte im Unterkiefer 8.1.3 Sequenzabhängige Durchbruchswerte im Vergleich mit vohandener Literatur 8.1.4 Mineralisationsstadienverteilung in Abhängigkeit von der Eruptionssequenz im Oberkiefer 8.1.5 Mineralisationsstadienverteilung in Abhängigkeit von der Eruptionssequenz im Unterkiefer 8.1.6 Chi-Quadrat-Homogenitätstest Kreuztabellen Eruption im Oberkiefer 8.1.7 Chi-Quadrat-Homogenitätstest Kreuztabellen Eruption im Unterkiefer 8.1.8 Chi-Quadrat-Homogenitätstest Kreuztabellen Mineralisation im Oberkiefer 8.1.9 Chi-Quadrat-Homogenitätstest Kreuztabellen Mineralisation im Unterkiefer 8.1.10 Ergebnisse ANOVA, Levene- und Posthoc-Tests innerhalb der Zahngruppen im OK 8.1.11 Ergebnisse ANOVA, Levene- und Posthoc-Tests innerhalb der Zahngruppen im UK 8.1.12 Gegenüberstellung der MIN-Stadien im OK getrennt nach Sequenzen und Geschlecht (Alternative Darstellungsweise der Profildiagrammauftragung) 8.1.13 Gegenüberstellung der MIN-Stadien im UK getrennt nach Sequenzen und Geschlecht (Alternative Darstellungsweise der Profildiagrammauftragung) 8.1.14 Gegenüberstellung der MIN-Stadien beider Kiefer (Alternative Darstellungsweise der Profildiagrammauftragung) 8.1.15 Modifizierte Gegenüberstellung beider Kiefer ohne Sequenz 4-5-3 8.2 Abbildungsverzeichnis 8.3 Tabellenverzeichnis 9. Erklärung über die eigenständige Abfassung der Arbeit 10. Lebenslauf 11. Danksagung