- AutorIn
- André Drechsler
- Titel
- Die retrospektive Analyse autologer Stammzellapheresate aus peripherem Blut nach Mobilisation mittels Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor und Hinzugabe von Plerixafor
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-978438
- Datum der Einreichung
- 23.04.2024
- Datum der Verteidigung
- 15.05.2025
- Abstract (DE)
- Die Hochdosis-Chemotherapie (HDT) mit anschließender autologer hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) stellt eine wichtige Therapieoption für Patienten mit Lymphomen und Multiplen Myelomen dar. Die hierfür benötigten Stammzellen werden von den Patienten durch Leukapherese gewonnen und später wieder reinfundiert. Zwischen 5 % und 30 % der Patienten mobilisieren durch Standardmethoden jedoch nicht genügend CD34-positive Zellen (CD34+) in das periphere Blut, um die Mindestausbeute von 2 x 106 CD34+-Zellen/kg Körpergewicht (KG) absammeln zu können, die für eine erfolgreiche Transplantation empfohlen ist. Als Ursachen dafür werden unter anderem eine Bestrahlung, eine Therapie mit dem Wirkstoff Melphalan sowie eine hohe Anzahl an Chemotherapielinien in der Patientenanamnese genannt. Um dennoch genügend Stammzellen zu mobilisieren, ist in Europa seit 2009 der CXC-Motiv-Chemokinrezeptor 4 -Antagonist Plerixafor zugelassen. Ziel dieser Arbeit ist die retrospektive Analyse von Patienten, die am Universitätsklinikum Leipzig Plerixafor erhalten haben und bei denen eine HDT mit autologer HSZT geplant war. Es sollen insbesondere die Effektivität der verschiedenen Mobilisationsstrategien, die Qualitätsmerkmale der gewonnenen Apheresate und die Regenerationszeit von Leukozyten und Thrombozyten nach der HSZT analysiert werden. Potenzielle Einflussfaktoren wie das vorangegangenen Mobilisationsregime, die medizinischen Diagnose und die hämatologische Vorbehandlung der Patienten auf die erfassten Parameter sollen ebenfalls untersucht werden. Die Ergebnisse werden mit den bisher in der internationalen Fachliteratur publizierten Daten verglichen und diskutiert. Es wurden Patienten ab 18 Jahren, die zwischen 2010 und 2019 Plerixafor erhalten hatten, aus dem SAP-System der Apotheke und dem elektronischen Patientendatenmanagement-system COPRA selektiert. Einzelheiten zur Apherese wurden aus der Datenbank autologer Stammzellapheresate der Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie und Hämos-taseologie entnommen. Ausgeschlossen wurden sieben Patienten, deren Apheresate mikrobiell kontaminiert waren oder deren Transplantate nach dem Auftauen keine Vitalität zeigten. Eingeschlossen wurden 80 Patienten, davon 36 Frauen (45 %) und 44 Männer (55 %) mit einem medianen Alter von 62 Jahren (Bereich 32 - 76). Drei Patienten (4 %) waren aufgrund eines Hodgkin-Lymphoms, 34 Patienten (42 %) wegen eines Non-Hodgkin-Lymphoms und 43 Patienten (54 %) wegen eines Multiplen Myeloms in Behandlung. Insgesamt wurden 84 Stammzellapheresate in die Analyse eingeschlossen. Dabei handelt es sich stets um diejenige Charge, die unmittelbar nach der ersten Dosis Plerixafor im Apheresezyklus abgesammelt wurde. Betrachtet man die verschiedenen Mobilisationsregime vor der Apherese, so wurden 20 Apheresate (24 %) aus dem steady-state und 64 durch Chemomobilisation (76 %) gewonnen. Hierbei kamen die Schemata Cyclophosphamid Hochdosis (n = 34), (R)-DHAP (n = 16), (R)-DexaBEAM (n = 12) und MATRix (n = 2) zum Einsatz. Pro Apheresezyklus wurde im Median 10 Tage lang (n = 84; Bereich 4 - 19) G-CSF verabreicht, bevor die erste Dosis Plerixafor gegeben wurde. Patienten, die eine mobilisierende Chemotherapie erhalten hatten, wurden signifikant länger mit G-CSF behandelt, als Patienten, die aus dem steady-state mobilisiert wurden (Median 10,5 versus 5 Tage; p < 0,001). Die Anzahl der CD34+-Zellen im peripheren Blut vor der Apherese konnte durch die erste Dosis Plerixafor im Median von 9,6 CD34+-Zellen/µl (n = 80; Bereich 2,1 - 36,0) auf 29,6 CD34+-Zellen/µl (n = 80; Bereich 9,0 - 136,3) verdreifacht werden. Am Apheresetag jeder Charge Stammzellapheresat lag dieser Ausgangswert bei 30,5 CD34+-Zellen/µl (n = 84; Bereich 9,0 - 136,3). Die Anzahl an Chemotherapielinien sowie eine Bestrahlung in der Patientenanamnese zeigten keine negative Auswirkung auf den Mobilisationserfolg, jedoch aber eine Vortherapie mit Melphalan (p < 0,001). Die Anzahl an CD34+-Zellen im gewonnenen Stammzellapheresat lag bezogen auf alle Apheresate im Median bei 4,0 x 106 CD34+-Zellen/kg KG (n = 84; Bereich 0,8 - 30,3). Insgesamt konnte bei 16 Apheresaten (19 %) von 15 Patienten der Mindestwert von 2 x 106 CD34+-Zellen/kg KG nicht erreicht werden. Die Vitalität der Stammzellen nach Kryo-konservierung lag im Median bei 82 % (n = 84; Bereich 58 - 95) und die Anzahl koloniebildender Einheiten (CFU-GM) bei 32,5 KBE x 1/105 (n = 84; Bereich 1,0 - 444,0). Es erhielten schließlich 72 Patienten eine HDT mit autologer HSZT, davon 70 evaluierbar. Im Median wurden pro Patient 4 x 106 CD34+-Zellen/kg KG (n = 70; Bereich 1,7 - 13,1) transplantiert. Die Regeneration der Leukozyten dauerte im Median elf Tage (n = 70; Bereich 9 - 15). Thrombozytär regenerierten 51 von 70 Patienten (73 %) während ihres stationären Aufenthaltes und benötigten dafür im Median 14 Tage (n = 51; Bereich 10 - 75). Für die übrigen 19 Patienten lagen keine Daten vor, da sie zwischenzeitlich entlassen und ambulant weiterbetreut wurden. Die vorliegende Auswertung zeigt, dass die am Leipziger Zentrum eingesetzten Mobilisations¬strategien inklusive Plerixafor analog der gängigen Empfehlungen durchgeführt wurden und sehr effektiv waren. Sogar Patienten mit Bestrahlungen, intensiver zytotoxischer Vor¬therapie und fortgeschrittenem Krankheitsstadium konnten suffiziente Mengen Stammzellen mobilisieren. Durch zum Teil mehrfache Absammlungen konnten in 93 % aller Apheresezyklen ausreichend viele vitale und vermehrungsfähige CD34+-Zellen gewonnen werden, um eine HDT mit anschließender autologer HSZT durchzuführen. Die Regenerationszeit nach Transplantation deckt sich mit den Daten aus der Fachliteratur. Da die Auswertungen ausschließlich innerhalb der Kohorte von Patienten mit einer Plerixafor¬therapie vorgenommen wurden, sind weitere Untersuchungen inklusive einer Kontrollgruppe nötig, um eine abschließende Aussage zu Einflussfaktoren auf die Stammzellmobilisation und die Anzahl am Stammzellen im Apheresat zu treffen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Hämatologie, Stammzelltransplantation, Plerixafor
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Universität Leipzig, Leipzig
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-978438
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 08.07.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0